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Die Ortschronik von Wasentegernbach (aus der Festschrift des Trachtenvereins)

Wasentegernbach wird schon in den ältesten Freisinger Urkunden als ein dem Bischofskloster zu Freising gehöriges Filialkloster (bischöfliches Eigenkloster) genannt. Durch eine Gründungsurkunde oder anhand von Grabungsfunden kann dies bisher noch nicht belegt werden. Wahrscheinlich erbauten sich Mönche während der Regentschaft des Bischofs Josef (748-764) im Isenbogen eine hölzerne Kirche mit etlichen Zellen und Wirtschaftsgebäuden. Heimatdichter Georg Lohmeier, dessen Geburtsort Loh bei Wasentegernbach ist, vermutet den Klosterursprung in der Dorfmitte, an der Stelle der heutigen Kirche. Gemäß der Traditionsbeschreibung (Übergabe) stiftete der Kleriker Rihperht am Tag seiner Diakonweihe in diesem Kloster zu Tegarinuuac (Tegernbach) dem Mariendom in Freising seinen Gutshof zu Aying nebst Ländereien. Geschehen ist dies in dem Jahr, in dem König Karl der Große in Hunia (= Ungarn) eingefallen ist, am Vortag der Nonen des März. Die Datierung lässt sich also auf den 6.März des Jahres 791 festlegen.

Auf Befehl des Bischofs Atto von Freising wurde dies vom Subdiakon Tagabertus geschrieben. Als Zeugen dieser Tradition sind Uuolperht, Heripald, Helmuni, Luitprant und ein weiterer Helmuni angeführt. Da Bischof Atto in Tegernbach weilte, kann vorausgesetzt werden, dass die Weihe wohl nicht in der gewöhnlichen Dorfkirche stattgefunden haben mag, sondern in einer nicht unbedeutenden Klosterkirche, die dem hl. Michael geweiht war. Das Kloster hatte wahrscheinlich schon alte Höfe und Felder vergeben, uralte Äcker im Isengäu, die schon in keltischer Zeit urbar waren. Im 10. Jahrhundert schreibt man von einem Abt, 6 Benediktinermönchen und 6 Fratres. Der Besitz soll 700 Tagwerk umfasst haben.

Der Name Tegernbach geht zum einen auf das althochdeutsche Wort "tega" zurück, was soviel wie "groß" bedeutet. "Thegan" oder "Degan" - auch der Degen kommt davon - heißt soviel wie der "Mannhafte", in allerhöchster Ehrbarkeit. Auch unser "gediegen" kommt von degan. Das "Uuac"/"Wac" ist als eine ritterliche Verstärkung für degan zu betrachten. "Wag"(= bewegtes, fließendes Wasser). Seit dem 12. Jahrhundert wird das nicht mehr verstandene Wort "wag" durch "-bach" ersetzt. Die beiden gleichnamigen Siedlungen wurden seit dem 15.Jahrhundert unterschieden: Grüntegernbach (nach der Lage am grünen Wald im Unterscheid zum breiten Tal der Isen) ist identisch mit bisher Innertegernbach (nach der Lage abseits vom Isental) und Kirchtegernbach (wegen der Pfarrkirche, mit 3 Altären und Kanzel). "Wasen", vom althochdeutschen Wort "waso", bedeutet nicht nur Grasboden, sondern auch Moorboden. Laut einem Beleg von 1606 wurde das aus dem Kloster entstandene Schloss "zum Wasen" genannt. Das Kloster an der Isen wird zwischen den Jahren 871 und 875 letztmals erwähnt.

Im urbairischen Isengäu, einem hochadligen Kleingau, der ursprünglich einen Fiskalbezirk umgrenzte und sowohl Grün- als auch Wasentegernbach umfasste, stießen allmählich drei, später sogar fünf verschiedene Landesherren mit ihren Besitzungen aufeinander: der Herzog von Bayern, die Bischöfe von Salzburg und Freising, der Stiftspropst von Berchtesgaden und der Reichsgraf von Haag.

Auch zu Wasentegernbach saß von Haus aus so eine alte, "turnierfähige" Familie, die von Anfang an in den Genuss der Hofmarksherrlichkeit gekommen ist. Etwa um 1104 - 1122 sind erstmals die "Edlen von Wasentegernbach" belegt. Besonders bekannt waren Wolfram von Tegernbach und seine Gemahlin Emma von Vohburg, die 1140, zusammen mit ihren Kindern, das Kloster Raitenhaslach stifteten. Laut mündlicher Überlieferung soll einmal ein unterirdischer Gang das Schloss Wasentegernbach mit der Raubritterburg zu Rottenbuch verbunden haben. 1368 wird ein Hans Pochauer als Besitzer von Tegernbach genannt, der die "Veste" vermutlich erbte und diese kurz darauf an Georg den Fraunberger von Prunn mit allem Zubehör veräußerte. Solch große Besitzungen wechselten zu der Zeit recht häufig den Besitzer. So kam es, dass bereits 1392 wieder neue Herren auf Wasentegernbach einzogen. Erasmus von Laiming zu Amerang, auch Erasmus der Laiminger genannt, kaufte nun die Hofmark und stiftete ein Benefiztum. Die Laiminger waren ein einflussreiches Adelsgeschlecht. Ein Sebastian von Laiming und ein Degenhart Pfeffinger von Salmannskirchen nahmen mit dem jungen Kurfürsten Friedrich den Weisen von Sachsen auf dessen "Heilig-Land-Fahrt" teil. Diese Laiminger hatten auch im Rottal Besitzungen und waren mit vielen hochadligen Familien verwandt. Nun begann eine Zeit des Glanzes für den verträumten Ort an der Isen. Die Wasentegernbacher Burgherren führten nunmehr den Titel eines Grafen. Höfisches Treiben und rauschende Feste waren bezeichnend für diese Zeit. Sie saßen beinahe zweihundert Jahre zu Wasentegernbach und bauten hier auch ein recht ansehnliches Schloss mit fünf Kuppeltürmen, einer Schlosskapelle und mehreren Sölden (Badersöldn, Göschlsöldn, Hörlsöldn). Nicht ohne Stolz wird auf die Verwandtschaft mit dem englischen Königshaus hingewiesen, denn eine Laimingerin war die Mutter der Queen Victoria. 1424 starb Erasmus von Laiming. Ihm folgte sein gleichnamiger Sohn Erasmus II. Dessen Erbe, Sohn Hans (1444-1475), starb kinderlos. Ihm folgten von 1475 - 1520 Neffe Erasmus III., und dem wiederum von 1520 - 1568 dessen Sohn Achatz. Achatz war ein Anhänger Martin Luthers und führte in Wasentegernbach den reformierten Glauben ein. Darauf wurde er gefangen genommen, nach öffentlicher Abbitte vom Herzog jedoch freigelassen. In der Hofmark wurde die alte Religion wieder eingeführt.

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Schloss Wasentegernbach zur Zeit der Fürstpröbste von Berchtesgaden  (Wening-Stich)

 

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Die Reste des Wasentegernbacher Wasserschlosses - heute ein landwirtschaftl. Anwesen

 

Nach Achatz´s Tod übernahm dessen Sohn Aham 1568 den Besitz. Er war ebenfalls dem neuen Glauben zugetan. Darum verkaufte er 1582 seinen gesamten Besitz in Wasentegernbach, einschließlich Land und Leute, an den Fürstprobst von Berchtesgaden.

Mit dem Verkauf endet auch die Glanzperiode von Wasentegernbach. Der gewaltige vierstöckige, von der Isen umflossene Schlossbau war nun mit lediglich einem Verwalter eines Fürststifts besetzt.

Mehrere dieser "Pfleger", wie diese Verwaltungsbeamten damals genannt wurden, liegen in der Dorfkirche begraben. Der letzte Pfleger war Franz Josef Klöckl, jener Geschichtsforscher, dessen Aufzeichnungen in der Münchener Staatsbibliothek liegen.

Der "Schwarze Tod" forderte Anfang des 16.Jahrhunderts auch im Isengäu seinen Tribut. In ihrer Not verlobten sich die Wasentegernbacher zum Hl. Sebastian nach Grüntegernbach mit einer jährlichen Dankwallfahrt für erlangte Hilfe und Beistand. Nach der Überlieferung soll auf der Flur "Eglsee" im "Vormoos/Viahmoos" ein Pestfriedhof bestanden haben, ein großes Holzkreuz mit überlebensgroßem, gemaltem Blech-Christus soll daran erinnert haben.

Beim Kelleraushub für einen Hausbau kamen einige Münzen (Kreutzer), sehr viel Gebeine und große Tierzähne zum Vorschein. Die Dankwallfahrt hat sich im wahrsten Sinne des Wortes als "Fahrt" bis heute erhalten.

"Reichsfürstpröpstlich-berchtesgadnerisch" ist Wasentegernbach über 300 Jahre lang geblieben, bis zur Säkularisation der Augustiner-Chorherren-Probstei. Man vergleiche nur die Wappen von Wasentegernbach und Berchtesgaden! Da der Fürstprobst von Berchtesgaden meist der Bischof von Freising war, wurde Wasentegernbach oft zusammen mit den bischöflich-freisingischen Besitzungen zu Kalling und Isen gemeinsam verwaltet.

In Isen saß der fürstbischöflich-freisingische Pfleger. An der Spitze der dem Land Bayern unterstehenden bischöflichen bzw. fürstpröbstlichen Besitzungen stand ein weltlicher Verwalter, ein Jurist, der Herr Amtmann. Dieser logierte meist im Schloss zu Wasentegernbach. Die meisten Amtsgeschäfte konnten hier im Ort getätigt werden: alle Notariats- und Protokollierungsgeschäfte, kleine Gerichtssachen, Abgaben und Steuern, Heiratslizenzen und dergleichen. War man aber mit dem Spruch des Herrn Amtmann nicht zufrieden, musste man sich an die fürstpröbstliche Kammer in Berchtesgaden wenden oder in reinen Gerichtssachen an das kurfürstliche Landgericht in Dorfen, in wieder anderen Angelegenheiten an den Pfleger nach Burgrain.

Im Zuge der Säkularisation fiel die Berchtesgadener Hofmark Wasentegernbach 1803 an das Land Bayern. Danach wurden die dem Hl. Georg geweihte Schlosskapelle sowie Teile des Schlosses abgetragen und zusammen mit dem Grund an die Bauern des Ortes und der Umgebung verkauft. Von dem ehemaligen stolzen Wasserschloss sind heute nur noch spärliche Reste mit dem dreigeschossigen Schlossbauernanwesen "beim G`Schloss" und "Stadlbauern" erhalten. Die geschichtsträchtige Halbinsel ist zwar noch wasserumflossen, aber nicht mehr allein von der Isen.

Erhalten geblieben sind auch die alten Hausnamen, die noch auf die Schlossherrnzeit zurückführen, wie z.B. "Herrnbauer", "Burmer" (Burgmeier), "Hauter" (Gerber), "Schwimmer", "Holzner", "Botn" (Gerichtsboten u. -schreiber), "Huamer" (Hubmeier), "Schirgen" (Gerichtsdiener), "Göschl", "Biamoa" (Biermeier), "Bader", "Bindermann", "Wagner", "Langgörg", "Stepfenschmied", "Adldinger" (Gerichtshaus mit Schopfwalmdach, letztes Holzhaus), "Schletter". Der Flurname "Weintal" deutet auf einen eigenen Weinanbau des damaligen Klosters.

Die politische Gemeindeverwaltung Wasentegernbach entstand unter König Maximilian I. von Bayern, dem Schöpfer des modernen bayerischen Staatswesens im Anschluss an die Säkularisation. Auch in Wasentegernbach war der "Fortschritt" nicht aufzuhalten. Bereits 1860 entstand bei den Bauersleuten Huber eine kleine Schnapsschänke, woraus sich ein kleiner Kramerladen entwickelte, denn als 1881 deren Tochter Maria Huber den Franz Bauer ehelichte, war bereits ein Kolonialwaren-Geschäft aufgebaut. 1866 begann man mit den Erdarbeiten für die zukünftige Bahnstrecke München - Mühldorf.

Damals reichte noch der "Burmer-Berg" bis vor die Haustüre der Gastwirtschaft Pitzer. In Handarbeit wurde der Berg, auf dem der Überlieferung nach die ehemalige Richtstätte gewesen sein soll, abgetragen. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke München - Simbach am 1. Mai 1871 fuhr der erste Zug durch den Ort. Als letzte Haltestelle wurde am 15. Oktober 1898 die Station Wasentegernbach der Bestimmung übergeben. Der durchfahrende "Orient-Express" Lissabon - Madrid - Paris- Stuttgart - München - Wien - Konstantinopel war keine Besonderheit.

1899 wurde dem Gastwirt Pitzer die Erlaubnis erteilt, für den Ort eine selbständige Poststation zu betreiben. Wasentegernbach war ein Dorf, in das man fuhr, in dem man seine Geschäfte erledigte und von dem aus man, bedingt durch seinen Bahnhof, Anschluss in alle Welt hatte.

Die Grundversorgung war gegeben; man hatte einen Kramer, Bäcker, Wirt mit Lagerhaus, eine Mühle mit Sägewerk, Brüterei, einen Schmied mit Landmaschinenhandel, Wagner, Schreiner, Herren- und Damenschneider, eine Milchsammelstelle, Flaschenbierhandlung, einen Weber, eine Fischzucht, ein Elektrizitätswerk und den "Karrer", der regelmäßig jede Woche nach München fuhr und Neuigkeiten aus der großen Welt mitbrachte.

Um die Jahrhundetwende vergrößerte Gastwirt Pitzer zur allgemeinen Lust seinen Eisweiher und ließ in der Mitte einen 265 m tiefen Arteserbrunnen schlagen.

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Ortsansicht aus dem Jahr 1915

Weit über die Landkreisgrenzen hinaus wurde der neue Saal mit der Theaterbühne bekannt. Er war jahrzehntelang der größte Saal im Landkreis Erding. 1947 wurde in diesem Saal sogar ein Passionsspiel aufgeführt.

1941 kam es zu einem Zugunglück, bei dem ein Güterzug und ein Wehrmachtszug zusammenstießen. Es gab einen Toten, vier Verletzte und 200.000,- RM Sachschaden. Die Ursache war menschliches Versagen der Fahrdienstleiter von Dorfen und Schwindegg.

In den vierziger Jahren wurde in Wasentegernbach bereits die Segelfliegerei betrieben. Heute hat der Ort zwar keinen Bahnhof mehr, dafür aber einen Flugplatz. Am 1. März 1969 schloss die Post ihre Station und verlegte sie nach Grüntegernbach. Aber auch dort ist sie heute nicht mehr. Im gleichen Jahr wurde die zentrale Wasserversorgung gebaut.

Bis 1971 war Wasentegernbach eine eigenständige Gemeinde, dessen letzter Bürgermeister Franz Strasser war. Von 1972 - 1978 war Nikolaus Lohmeier aus Loh Bürgermeister der Gemeinde Tegernbach, die 1972 durch die Fusion der beiden Gemeinden Grün- und Wasentegernbach entstanden war. 1978 wurde die Gemeinde Tegernbach im Rahmen der Gemeindegebietsreform der Stadt Dorfen angeschlossen.

Das ganze Dorf war am 17.Juni 1986 auf den Beinen, als Bischof Schwarzenbeck (Er verbrachte viele Tage seiner Kindheit in Wasentegernbach) die Filialkirche Wasentegernbach nach dreijähriger Renovierung wieder eröffnete und das neugestaltete Kriegerdenkmal an der Stelle des alten für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege einweihte.

Die jetzige Kirche ist ein gotisches Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert, das dem Hl. Johannes dem Evangelisten geweiht ist und 1768 dem Stil der damaligen Zeit angepasst, also barockisiert wurde. 1896 wurde der alte Kuppelturm durch einen Spitzturm ersetzt. Die Marienfigur auf dem Hochaltar stammt ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert und erfreute sich in den vergangenen Jahrhunderten einer regen Wallfahrt (von zahlreichen Votivtafeln ist zu lesen, auch die Schlossherren stifteten Verlöbnistafeln nach gut überstandenem Brand).

An der schweren Sakristeitüre sind Axthiebe vermutlich der räubernden Schweden aus dem 30-jährigen Krieg zu sehen. Bei der letzten Renovierung wurden Fresken freigelegt, die aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen dürften. Aus den Kirchenrechnungen ergeben sich Hinweise auf zweimalige Blitzeinschläge, wobei die Glocken schmolzen, die Decke im Langhaus ein großes Loch hatte, Kanzel und Altäre schwere Schäden davontrugen. In der Sakristei wurde im sog. "Zöchschrein" das Vermögen der Kirche aufbewahrt. Bei der "Feursprunst" erlitt auch dieser "Zöchschrein" schweren Schaden und musste von einem Goldschmied für 1000 Gulden restauriert werden. Die Turmuhr war nicht mehr zu reparieren. Auch drei Holzhäuser in der Umgebung (Stepfenschmied, Mesner und Schergn) brannten nieder. In der Kirche gab es 2 Opferstöcke, einen kleinen beim Barbara-Altar, "Anna-Stöckl" genannt, weil eine Annafigur drauf stand, und einen großen, 1 Meter hohen, eisernen an der letzten Kirchenbank vor dem "Weichbrunn" beim Ausgang. Die Einnahmen vom Opferstock nannte man damals "Gottsberath"; mit dem Erlös konnte der Mesner bezahlt werden. Immer wieder weisen Ausgaben auf die Neuanschaffung der "Freithoftürl" und 17 eichene Säulen nebst 9 Fuhren Holz zur Einplankung des Freithofs darauf hin, dass auch ein Friedhof vorhanden war.

Am 15.Mai 1988 war wieder ein ganz großer Tag. Zum ersten Mal feierte ein Wasentegernbacher, Pater Maximilian Bauer (Kramer Max), in seinem Heimatort seine Primiz. Zweimal gab es schon geistliche Herren, die sich Bauer schrieben: der erste war Landtagsabgeordneter, der zweite, gebürtiger Wasentegernbacher und pensionierter Pfarrherr von Schwindkirchen.

Die Verbindung mit der großen Welt ging mit der Schließung des Bahnhofes am 30. Oktober 1988 zu Ende. 1990 wurde gemeinsam mit Schwindkirchen und Grüntegernbach eine Kläranlage gebaut.

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